Körperliche Krankheit und die psychologische Seite: Angst

Jiddu Krishnamurti Gedanken (1973):
Wenn man keine Angst vor der Krankheit hat, hat sie eine ganz andere Bedeutung. Man kann daraus viel lernen. Viele große Heiler haben es bewiesen. Eine physische Krankheit mag sogar einen Vorteil, einen Nutzen haben. Aber wir haben eine Manie gesund zu sein, keine Schmerzen zu haben und der Krankheit zu widerstehen.


Der Grund der Krankheit ist vielleicht auch das Eigeninteresse, das Ego, die Angst, die Grenzen zu sehen. Wenn man nicht egoistische Bestrebungen beobachtet aber mit der Tatsache lebt, ganz aus der Nähe, ohne alle Beurteilung, Bewertung, Verdrängung, nur um es anzuschauen, dann wird man erkennen, daß Liebe sein kann, wo der Tod ist. Liebe ist eine Kraft. Wenn das Ich aufhört zu existieren, entsteht Glückseligkeit. Wenn der Schauende das Geschaute ist, entsteht Transformation. Freiheit liegt jenseits der Reichweite des Bewusstseins.

Unser Körper ist ein Instrument der Energie. Energie basiert auf dem Begriff „Innen wirken“ (Krishnamurti, Fragen und Antworten, 1982). Energie ist der Ursprung von allem, Materie, Denkfähigkeit usw. Es ist das Namenslose (bei den Juden und Hindus "Gott"), das „wirkt“, wovon man sich kein Bild machen kann. Es ist nicht durch Nachdenken, Zeit, Bewegung, Umweltbedingungen zu entdecken. Wenn das „Ich“ auftritt, beginnt die Aufteilung des Ganzen. Der Ursprung, verschwindet.
Die ursprüngliche, unteilbare Intelligenz verschwindet durch das „vielseitige“ und verwirrte Denken. Körper und Geist (das Denken in seiner Erweiterung als der Geist des Organismus) verlieren die Ganzheit, wenn die Energie aufhört, sie zu durchdringen. Ein toter Organismus bleibt zurück.
Die Energie, die Aktivität ist vollkommen, welche die Fragmente erkennt. Aber so wie wir erzogen wurden, sehen wir nie das ganze Geschehen. Denn die Ganzheit ist die Freiheit, in der alle Fragmente gesehen werden, die uns sonst durch unsere Denken als Wirklichkeit erscheinen. Robert Reiningers Begriff „Urerlebnis“ drängt sich auf. 1)
So lange der Geist konditioniert, geprägt, ist, gibt es den Konflikt. Man dringt nur ein, wenn aller Widerstand beiseite geschoben wird und das Unterbewußtsein zuhören kann, das subtiler und viel schneller ist. 2) Etwas zu tun, das das Bewußtsein nicht anspricht, es zu durchdringen mit Blick und Zuneigung, mit ganzem Gefühl, das man hat und wirkt und sonst nichts, ist Liebe.

1) „Es gibt streng genommen keine Vielfalt von Erlebnissen, sondern nur d a s Erlebnis, das Gegenwartserlebnis oder kurz: das Jetzt. Nur dies ist das wahre U r e r l e b n i s. Urerlebnis, das bedeutet die Erlebnistotalität.“ (Robert Reininger, Metaphysik der Wirklichkeit, S 3)

2) Vgl Krishnamurtis Erzählung, wie er auf einem Sparziergang plötzlich eine Klapperschlange hörte und sofort beiseite sprang und dabei die Schlange nahe bei sich erblickte. Eine unbewußte Reaktion ließ den Körper springen, das Bewußtsein hätte viel zu lange gebraucht.