Was ist Liebe?

Was wir allgemein Liebe nennen sind Wünsche. Wünschen ist einer der stärksten und lebendigsten Triebe. In der Liebe gibt es keine Bindung, wenn Bindung existiert gibt es keine Liebe.

Sie ist weder sexueller noch göttlicher Natur, Zärtlichkeit, wirkliche Freundlichkeit allen Dingen gegenüber. Empfindsam sein gegenüber anderen Menschen, Tieren, Blumen, Bäumen, Vögeln usw. ohne Besitzanspruch ("lieben ist nicht gern h a b e n"), wach für deren außergewöhnliche Schönheit,

mit einer außergewöhnlichen Zuneigung, ohne etwas dafür zu erwarten.


Wenn man liebt, dann muß man frei sein, nicht nur von der anderen Person, sondern von sich selbst.

Liebe ist wertfrei, in ihr gibt es weder Feind noch Freund.

Liebe ist einfach Liebe, ein vollständiges Verstehen der gesamten Existenz. Sentimentalität und Gefühlsseligkeit haben nicht das Geringst mit Liebe zu tun. Denken kann unmöglich Liebe hervorbringen. Liebe gehorcht nicht, da gibt es weder Respekt noch Respektlosigkeit. Sich selbst in der Liebe vollkommen vergessen, dann gibt es nicht den anderen.

Denken ist das leblose Kind der Erfahrung. Wo Liebe ist, da ist keine Pflicht und keine Verantwortung wie in dem kleinen Teil des Gehirns, den SItz des zeitlichen, vergleichenden und räumlichen Denkens, dem nie endenden Strom der Wünsche, Konflikte, Ängst, Streben nach Lust, Schmerz der Einsamkeit, des Leidens.

"Die Liebe mit ihrer unbestechlichen Intelligenz existiert jenseits dieses begrenzten Bewusstseins, jenseits dieses kleinen Teiles des Gehirns. Dieser mag um das Allumfassende spekulieren und davon schwärmen, aber er kann nie seine Schönheit, seine Herrlichkeit wahrnehmen". Das alles sagt Krishnamurti. Krishnamurti:
Für uns ist der kleine Raum, den das Denken, also das Ich, um sich herum geschaffen hat, äußerst wichtig. Denken ist alles, was der Geist kennt, der sich mit allem identifiziert, was sich in diesem Raum befindet, Prägung, Vorurteile, Überzeugungen. Aber in dem Raum, den das Denken um sich schafft, gibt es keine Liebe. Dieser Raum trennt den Menschen vom Menschen, in ihm ist alles Werden, der ganze Lebenskampf, ist alle Agonie und Angst enthalten. 


In der jetzigen Zivilisation ist der Intellekt überkultiviert, der Verstand verfängt sich in seinen eigenen Schöpfungen, Auto, Medien, Vergnügungen, Kinos, Theater, Spielen zuschauen, Verstandesschwelgereien, technisches Wissen, Süchte. Darinnen gefangen, in einem Leben, das für sich außergewöhnlich leer ist, wird Sex , der Ausweg, sehr wichtig, ja zwanghaft. Ohne Liebe ist Sex ein hässlicher Vorgang, Routine, etwas, das man vermeiden, ignorieren , ausschalten oder darin schwelgen kann. Ganz anders ist Liebe der Faktor, der reinigt. Liebe ist rein. Obgleich auch ein Liebender sexuell aktiv sein kann. Liebe gibt es nur, wenn es keinen Zwang, wenn es Freiheit gibt.

Was ist Liebe (Krishnamurti) 

Wenn Sie fragen, was Liebe ist, mögen Sie sich davor fürchten, die Antwort zu finden. Es mag einen völligen Umbruch bedeuten; die Familie mag aufgelöst werden; Sie mögen entdecken, daß Sie Ihre Frau oder Ihren Mann oder Ihre Kinder gar nicht lieben. Vielleicht müssen Sie das Haus zerstören, das Sie gebaut haben; vielleicht gehen Sie niemals wieder in einen Tempel.

Aber wenn Sie dennoch den Wunsch haben, es herauszufinden, werden Sie erkennen, daß Furcht nicht Liebe ist, daß Abhängigkeit nicht Liebe ist, daß Eifersucht nicht Liebe ist, daß Besitzgier und Herrschsucht mit Liebe nichts zu tun haben, daß Verantwortungs- und Pflichtgefühl keine Liebe sind, daß Selbstbemitleidung keine Liebe ist, daß der Schmerz, nicht geliebt zu werden, keine Liebe ist. Liebe ist nicht das Gegenteil des Hasses, ebensowenig wie Demut der Gegensatz zur Eitelkeit ist. Wenn Sie das alles aus sich entfernen können, nicht durch Zwang, sondern indem Sie diese Dinge fortspülen, so wie der Regen den Staub vieler Tage von einem Blatt wäscht, dann werden Sie viel leicht zu jener seltsamen Blume hinfinden, nach der der Mensch immer hungert.

Wenn Sie keine Liebe in sich haben - nicht nur ein wenig, sondern in Hülle und Fülle-, wenn Sie davon nicht erfüllt sind, geht die Welt einer Katastrophe entgegen. Verstandesmäßig ist es Ihnen klar, daß die Einheit der Menschheit unbedingt notwendig ist und daß die Liebe der einzige Weg ist - aber wer wird es Sie lehren, wie Sie lieben sollen? Kann es Ihnen eine Autorität, eine Methode, ein System sagen, wie zu lieben ist? Wenn es Ihnen jemand sagt, ist es keine Liebe. Können Sie sich vornehmen, Liebe zu üben? Können Sie sagen: »Ich will mich Tag für Tag niedersetzen und darüber nachdenken; ich will mich darin üben, freundlich und zartfühlend zu sein, und mich zwingen, den anderen Aufmerksamkeit zu schenken«? Wollen Sie behaupten, daß Sie sich zur Liebe erziehen können, daß Sie den Willen einsetzen können, um zu lieben? Wenn Sie Disziplin und Willen gebrauchen, um zu lieben, fliegt die Liebe zum Fenster hinaus. Wenn Sie die Liebe nach einer Methode oder einem System praktizieren, mögen Sie außerordentlich geschickt werden oder freundlicher, oder Sie mögen in einen Zustand der Gewaltlosigkeit geraten, aber das hat nichts mit Liebe zu tun


In dieser zerrissenen, wüsten Welt gibt es keine Liebe, weil Vergnügen und Begehren die Hauptrollen spielen. Doch ohne Liebe hat Ihr Leben keinen Sinn. Und ohne Schönheit ist keine Liebe möglich. Schönheit ist nicht etwas, das Sie sehen - nicht ein schöner Baum, ein schönes Bild, ein schönes Gebäude oder eine schöne Frau. Schönheit ist nur vorhanden, wenn Sie im tiefsten Herzen wissen, was Liebe ist. Ohne Liebe und ohne das Gefühl für Schönheit gibt es keine Tugend, und Sie wissen sehr wohl, daß Sie mit all Ihrem Tun - die Gesellschaft verbessern, den Armen zu essen geben - nur mehr Unheil schaffen werden, denn ohne Liebe ist in Ihrem Herzen und in Ihrem Geist nur Häßlichkeit und Armut. Aber wenn Liebe und Schönheit in Ihnen wohnen, ist alles, was Sie tun, richtig, ist alles, was Sie tun, in Ordnung. Wenn Sie zu lieben wissen, dann können Sie tun, was Sie wollen, dann werden sich alle Probleme lösen.

So kommen wir zu der Frage: Kann der Mensch zur Liebe gelangen ohne Disziplin, ohne Gedanken, ohne Zwang, ohne irgendein Buch, einen Lehrer, einen Führer - kann er ihr begegnen, so wie man einen lieblichen Sonnenuntergang erlebt?

Ich glaube, daß eines absolut notwendig ist - und das ist Leidenschaft ohne ein Motiv, eine Leidenschaft, die nicht das Ergebnis irgendeiner Bindung oder Neigung ist, eine Leidenschaft, die nicht Lust ist. Ein Mensch, der nicht weiß, was Leidenschaft ist, wird nie um die Liebe wissen, weil die Liebe sich nur bei völliger Selbstlosigkeit entfalten kann.

Ein Mensch, der auf der Suche ist, hat keine Leidenschaft. Der Liebe zu begegnen, ohne sie zu suchen, ist der einzige Weg, sie zu finden; man muß ihr unbeabsichtigt begegnen und nicht durch Anstrengung oder Erfahrung. Sie werden entdecken, daß eine solche Liebe zeitlos ist. Solche Liebe ist sowohl persönlich als auch unpersönlich, sie gehört dem einen wie den vielen. Sie ist wie eine duftende Blume. Sie können ihren Duft wahrnehmen oder an ihr vorübergehen. Diese Blume ist für jeden da und besonders für den einen, der sich die Zeit nimmt, ihren Duft innig einzuatmen und sie mit Entzücken anzuschauen. Ob man ihr im Garten ganz nahe ist oder weit entfernt, für die Blume ist es das gleiche, weil sie voll des Duftes ist und ihn für jeden verströmt. 

Liebe ist immer neu, frisch, lebendig. Sie hat kein Gestern und kein Morgen. Sie ist jenseits der gedanklichen Unruhe. Nur der unschuldige Mensch weiß, was Liebe ist, und der unschuldige Mensch kann auch in einer Welt leben, die ohne Unschuld ist.

Dieses Ungewöhnliche, das der Mensch ewig gesucht hat -durch Opfer, durch Anbetung, durch Beziehungen, durch Sexualität, durch jede Art von Lust und Leid -, wird er nur finden, wenn es dem Denken gelingt, sich selbst zu verstehen und auf natürlichem Wege zu einem Ende zu kommen. Dann hat die Liebe keinen Gegenspieler, dann ist die Liebe ohne Konflikt. Sie mögen fragen: »Wenn ich eine solche Liebe finde, was geschieht dann mit meiner Frau, meinen Kindern, meiner Familie? Diese müssen Sicherheit haben.« Wenn Sie eine solche Frage stellen, waren Sie nie außerhalb des Gedankenbereichs, des Bewußtseinsraumes. Wenn Sie einmal außerhalb dieser Ebene waren, werden Sie niemals wieder eine solche Frage stellen, weil Sie dann wissen werden, was eine Liebe ist, in der es kein Denken und daher keine Zeit gibt. Um aber wirklich über Denken und Zeit hinauszugelangen und jenseits des Leides zu sein, bedeutet, sich dessen bewußt zu sein, daß es eine andere Dimension gibt, Liebe genannt.
Aber Sie wissen nicht, wie Sie zu dieser ungewöhnlichen Quelle gelangen können - was werden Sie also tun? Wenn Sie nicht wissen, was Sie tun sollen, dann tun Sie doch wohl nichts. Absolut nichts! Dann sind Sie innerlich vollkommen still. Verstehen Sie, was das bedeutet? Das bedeutet, daß Sie nicht suchen, nicht wünschen, kein Ziel verfolgen; es gibt überhaupt kein Zentrum mehr. Dann ist Liebe da.