Wir fragen nach dem Sinn, nach dem Zweck des Lebens, anstatt an dem Leben in der Gegenwart interessiert zu sein. Das Leben gilt allgemein als Schule, in der man lernt, Ziele zu erreichen, "große Konflikte und Kämpfe“. Es bedeutet nicht Erfüllung. 

Man erhält Antworten von sogenannten Spezialisten, Künstlern, Wissenschaftlern , Religionsspezialisten. Man pfügt durch das Chaos wirtschaftlichen, religiösen und spirituellen, von Experten erdachten Zielen entgegen. Aber der Einzelne muss, ob jung oder alt den Prozess seines Lebens auf eine andere Ebene bringen. Dazu braucht es eine permanente Achtsamkeit, viel Energie, dass keinerlei Energieverschwendung stattfinden darf.

Der Mensch muß vom kleinbürgerlichen Denken zu weltbürgerlichem Verstehen finden.

Man muß die Erscheinungsformen entdecken, durchfühlen, so weitreichend und umfassend wie möglich. um sich im Licht der Intelligenz von den Irrtümern zu befreien. Mit immer tieferer Durchdringung kann man sich auch des Unermesslichen bewusst werden.

Wenn man über die Dualität der Trennung von Ich und Du, Beobachter und Beobachtetem, Analysierer und Analysiertem hinaus geht und von Moment zu Moment die Wahrheit anschaut, frei von Furcht, Neid und Sorge, erlebt man, dass sich das Gehirn transformiert, eine „unmessbare Bewegung“ die der Geist sonst nicht erfassen kann.

Frage: Ist es wirklich möglich, so aufmerksam zu leben, dass man ohne denkmäßige, psychische Aufzeichnung auskommt?

Antwort:
Das Gehirn zeichnet stets auf, wenn man unaufmerksam ist. Daran ist man gewöhnt. Die alltäglichen Dinge, Mitmenschen, Angehörige usw.. Man weiß, was sie wie früher, sagen oder tun werden. Man kennt eigentlich nur die Erinnerung. Aber die Erinnerung ist tot. Mit dem Alten kann man Neues nicht verstehen. „Man kann nicht jungen Wein in alte Flaschen füllen“. Ein Lebenwesen ganz zu kennen, ist ja unmöglich. Aber nur wenn man frei ist von der Konditionierung durch die Umwelt usw., kann man verstehen, was wirklich stattfindet.

Frage: Wie ist es möglich einen anderen Menschen umfassend zu lieben, wenn man doch in dem ungeheuren Netz der Erinnerung gefangen ist, also wenn das Leben nur auf Erinnerung, also auf toten Dingen der Erinnerung basiert? 

Antwort: Liebe hat keine Zeit. Liebe ist nicht personell. Als etwas von mir Selbsterzeugtes hört sie auf Liebe zu sein. Wenn Denken sie zu Vergnügen macht, wird sie zu Lust und Leid, Energieverschwendung. Leiden ist egozentrisch. Wenn wir weinen, weinen wir aus Selbstmitleid. So hat also die Liebe, wie auch das Leid, eine völlig andere Bedeutung, als im alltäglichen Leben. Aber es gibt das Ende des Leides.

Anmerkung:
Ohne
Selbsterkenntnis gibt es kein rechtes Denken…nur Ignoranz, Verwirrung, Zerstörung.Sie ist ein Keil, um das Unerschöpfliche zu öffnen. Sie kommt nicht durch sich Zurückzuziehen, durch Isolieren. Sie kann entdeckt werden im Handeln, von Moment zu Moment, in einer Beziehung.

Handeln ist Beziehung, dessen Verneinung Tod. Man muß jeden Augenblick neu überschauen, neu erleben! Aktivität zu vergrößern ist ein Prozess mit Konflikt, Widerrständen und Verwirrung, ruhelos ohne Tiefe und Substanz. Meer ist auch ruhelos – aber seine Ruhelosigkeit hat Tiefe und Substanz.

WAS WIR ERLEBEN KÖNNTEN: Freiheit Schönheit Kraft

WAS WIR ERLEBEN: Bedrohung, Verzweiflung, Nervenkrisen, Todesängste

WAS WIR TUN MÜSSEN: Selbst-Umerziehen durch Wachheit

Nach F. Perls: Das Selbst in Bewegung zu halten ohne vom Besitzdenken dominiert zu sein.

Handeln ist nicht gleichzusetzen mit Aktivität. Aktivitäten bewegen sich innerhalb von Gegensätzen, sind zeitlich, reflektieren auf Vergangenem und Zukünftigem. Handeln ist unmittelbar, von Moment zu Moment ohne Widersprüchlichkeit. Geistig kann man einer Aktivität frönen, aber nicht einem Handeln. Echtes Handeln ist unsicher, Aktivität wird sicher gesteuert von einer Idee. Sicherheit ist uns wichtig und daher dominiert Aktivität über Handeln,

Man kann sich auch verlieben, ohne eine von Besitzdenken dominierende Beziehung zu haben – eine sexuelle Beziehung ohne den Alptraum zu erleben, der gewöhnlich folgt. Illusion gegen Realität - der Schmerz der Entzweiung. Der Tod ist das große Hindernis im Fluß der Selbsterkenntnis, der letzte Widerstand gegen alles.

Völlig wach ins Unbedingte, Unbekannte hineinzugehen, ist der Beginn von Weisheit. (Vgl. J.Krishnamurti, Commentaries on Living, London 1965, The Search for Truth).