Außer sehr wenigen tragen alle an ihren (psychischen) Verletzungen. Ist der Verstand, der weiß, dass er verletzt wurde, fähig nicht mehr verletzt zu werden? Können wir eine so intensive Wahrnehmung - Einsicht - aufbringen, um zu erkennen, dass Wissen wesentlich ist, um Sprachen zu lernen usw. aber dass es zu Unwissenheit wird, wenn wir wirklich zu verstehen versuchen. Verstehen von Gewalttätigkeit, Arroganz, Schmeicheleien, Zerstörungssucht, Raffiniertheit. Sehe ich das, was die Verletzungen anrichtet?

Es ist das Selbst, die Psyche was verletzt wird.

Es ist das Bild von mir, das ich im Laufe des Lebens aufgebaut habe. Der Name, Werte, Besitz, Haus, Bankkonto, Wetteifer, usw. All das bleibt auch wenn ich mich in ein Kloster, in eine Abhängigkeit, hinter eine Mauer des Widerstandes zurückziehe.

Es ist äußerst schwierig in dieser abnormen, geisteskranken Welt geistg gesund zu bleiben. D.h. keinerlei Illusion zu haben, sich kein Bild von sich oder von anderen zu machen. "Ich bin groß", "Ich bin unbedeutend", "Ich bin gut", "Ich bin edel"... Wenn man ein Bild von sich selbst hat, ist man ganz bestimmt krank, denn man isoliert sich, man lebt in einer Welt der Illusionen. Die nationalistischen, religiösen, ideologischen Abspaltungen sind Anzeichen einer geistigen Erkrankung.

Oder ist es möglich, dass der Geist und das Herz über all das darüber hinausgeht, in einem Verhalten leben und handeln kann, das darüber hinaus ist und immer wieder darüber hinaus gehen kann in eine neue Qualität des Verstehens. Verstehens von psychischen Ängsten, Vergnügungen, Verletzungen usw. Kann ich von all dem frei sein und klar sehen, nicht leugnen, sondern hindurchgehen. Schluß damit machen an der Oberfläche und tief im sogenannten Unbewußten und nicht in eiem bloßen Ideal befangen bleiben.

Es ist leicht, in seinen Gewohnheiten routiniert dahinzuleben, oberflächlich, stumpfsinnig, kurrupt wie alle anderen, in dieser Gesellschaft völliger Unordnung. Es gibt mir eine Art Sicherheit. Wenn ich aber diese Unordnung der Gesellschaft zu erkennen behaupte, wird man mich hinauswerfen wollen. Da ich aber anfange, meine ganze Aufmerksamkeit auf dieses kurrupte Geschehen zu richten, werde ich die Energie haben, dem Vergangenen zu sterben und frei leben zu können.

Wir werden zu erstklassigem Denken erzogen, Spezialisten, Doktoren, Physiker. Menschen aus zweiter Hand, also intellektuell verkrüppelt, moralisch degeneriert, ohne Freiheit – mit dem weit hypertrophierten Ausweg: Sex. Jagt auf Vergnügen, Identifikation mit einer Familie, Frau, Mann, oder auf eine höhere Ebene, Gott? In der westlichen Zivilisation ist „Liebe machen“ gleich Sex, Vergnügen, das nie verbindend, immer trennend ist. Sex, eine enorme Angelegenheit, ein enormes Geschäft.

Kann in dieser Welt ein Geist in Freude existieren, der

keine Verletzungen trägt, ohne ein Bild, ein Verlangen, eine Vorstellungen von sich selbst? Ein Geist, der sich freuen kann, immer wieder neu, ohne es durch Denken perpetuieren zu müssen. Ich freue mich und damit ist es zu Ende. Nach William Blake: „Wer die Freude im Fluge küsst, lebt im Sonnenaufgang der Ewigkeit“. Wenn man sie festhalten will, fällt man aus dem Akt der Freude heraus.